Die neue Lust auf Perfektion

Selbstoptimierung gilt als Übertrend des 21. Jahrhunderts. Unser erweitertes Angebot greift ihn auf.

Der Selbstvermesser, Trendsetter einer schnelllebigen Kultur, schreibt keinen Einkaufszettel. Er zückt seine Shopping-App. Diese listet Marken und Feinkost-Artikel, die exakt auf ihn abgestimmt sind. Manche will er. Manche braucht er. Manche will er brauchen. Im Discounter nebenan scannt er die Regale danach vergeblich. Es nagt an ihm, dass sein Zeitmanagement aus den Fugen gerät. Die Rennerei von Fachgeschäft zu Fachgeschäft laugt ihn aus. Angesichts klaffender Lücken im Sortiment droht sein ausgefeilter Ernährungsplan zu scheitern. Doch die Suche hat ein Ende: Wir haben ihn verstanden.

Selftracking – der Mensch als Datenpaket

Selftracking – der Mensch als Datenpaket

Die gute Nachricht zuerst: Wir alle können viel toller sein. Produktiver arbeiten. Effizienter leben. Besser aussehen – und unseren Body durch die ideale Kombination aller Ernährungsbausteine nahezu neu erschaffen. Die schlechte: Auf dem steilen Parcours zur Selbstperfektionierung gibt es keinen Boxenstopp. Der Körper, kostbarste aller Maschinen, will täglich aufs Neue gewartet werden – und eine Armada von rund 15.000 Gesundheits-Apps, Sensoren, Gurten, Mess-Sets und Programmen assistiert.

Die „Selbstvermessenen“ – wohin GERÄT die Welt?

Intelligente Waagen kontrollieren nicht nur unser Gewicht, sondern auch Körperfett. Schrittzähler registrieren jede unserer Bewegungen. Hüftgürtel korrigieren unsere Körperhaltung. Andere Technik-Tools analysieren unseren Zuckerspiegel, ja sogar die Sauerstoffsättigung im Blut. Fitness-Armbänder messen unsere Leistungsfähigkeit, Brustgurte unseren Puls- und Energieverbrauch, schwarze Stirnbänder verwandeln das Schlafzimmer in ein Schlaflabor: 13 Min. zum Einschlafen, 1, 31 Minuten Traumphase, drei Stunden Leichtund eine davon Tiefschlaf? Guter Score! Registriert von einem Sensor auf Stirn und Matratze. Der tägliche Check ist das Morgenritual eines Selbstvermessers. Die Ich-Branche boomt: Geht nichts gibt’ s nicht. Selbst schuld, wer trotzdem altert.

Das tollere Ich – Nahrungsaufnahme als Fulltime-Job

Das tollere Ich – Nahrungsaufnahme als Fulltime-Job

„Pimp yourself!“ – amerikanische Verhältnisse

Über den großen Teich schwappt eine hohe Welle und wer nicht mitschwimmt, den lässt sie gestrandet zurück – ohne Produktivitäts-Log und Laufmotivator. Aus ihrem Grundrauschen formt sich eine Phalanx von Fragen. Der Tenor: „Holst Du auch das Beste aus dir heraus?
Wie viele Portionen Obst und Gemüse isst du pro Tag? Enthalten sie genug Antioxidantien? Fastest Du intermittierend? Verzehrst du mindestens einmal pro Woche Fisch oder andere Nahrungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren? Genug Proteine? Kontrollierst Du regelmäßig dein Gewicht? Deinen Kaffeekonsum? Deine Kalorienzufuhr? Die Grafik deines Schlafmusters? Deinen Workflow – anhand von Diagrammen, die deine Tagesziele mit dem Geleisteten abgleichen? Da musst du leider passen? Oje! Aber entspann dich: Denn das Stresshormon Cortisol führt zu einer Ausdünnung der Haut … 😉

Glücksversprechen – wir haben es in der Hand

Glücksversprechen – wir haben es in der Hand

Die Lippen voll, die Brust straff, der Bauch gerippt, die Achselhöhlen trocken und geruchsneutral, das Gehirn aktiv und die Stimmung heitervital: Offenbart sich in den medienwirksamen Idealbildern der moderne „Terror des Solls“ – in einer narzisstisch infizierten Kultur, die stets „gut drauf“ und optimal eingestellt sein will? Fakt ist: Je höher die Messlatten liegen, desto größer wird der Widerspruch zwischen Soll- und Ist-Zustand, desto lähmender die Angst, den Anschluss nicht halten zu können. Hier schnappt die Narzissmus-Falle des „Self-Trackers“ zu.

Vertikale Anspannung als Dauerzustand

„Vertikalspannung“, das permanente Nach-oben-Streben, sagt der Philosoph Peter Sloterdijk, ist an die Stelle alter Glaubenslehren getreten. In einer zunehmend undurchschaubarer werdenden Welt sei die Hoheit über den eigenen Körper mittels Fitness und guter Ernährung ein mächtiges Instrument der Demokratie und bedeute zugleich die Emanzipation vom Arzt. Bejubeln die einen Chancen und Möglichkeiten einer Selbstüberwachung und beschwören ungeahnte Fähigkeiten, die ein dermaßen selbstbestimmtes Individuum entwickeln kann, ruft der Trend auch Bedenkenträger auf den Plan. Der Mensch unterwerfe sich damit bedingungslos den Gesetzen von Markt, Effizienz und Anpassung, fürchten diese. Bedenkt man, dass in Amerika digitale Gesundheitskontrolle schon bald obligatorisch wird, stellt sich zumindest ein mulmiges Gefühl ein. Befinden wir uns auf einem Exerzierplatz, auf welchem Kosmetik, Medizin und Ernährungswissenschaft den Marsch blasen? Fakt ist: Die Models in den Hochglanz-Prospekten mit den digital verlängerten Beinen würden beim ersten Schritt umfallen.
Doch so neu ist der Gedanke nicht, sich selbst zu fordern und zu fördern und damit ein ideales Abbild seiner Selbst zu schaffen: Ideengeschichtlich entspringt er der Romantik. So kontrollierte schon Johann-Wolfgang von Goethe seinerzeit anhand von Tagebucheinträgen die eigene Leistungsbilanz und befand sich in einer ständigen Feedback-Schleife gegen Trägheit und Selbstbetrug.

Einladung zum Glücklichsein

Wir meinen: Das Denken in Rastern und Systemen darf nicht zu Lasten von uns Menschen und unserer Arbeitswelt gehen. Das Leben ist zu kurz, um sich dem Diktat eines unablässigen Wettbewerbes zu unterwerfen – unter der Glasglocke eines Drills, der Hoffnung und Leidenschaft erstickt. Damit auch die Kreativität: Denn der schlimmste, professionelle Fehler ist die Abwesenheit von Glück.
Die Intelligenz des Verbrauchers, seine millionenfache Findigkeit und Begeisterungsfähigkeit ist unsere Antriebsfeder. Gegen diese Kraft sind auch die kernigsten Neuzeit-Propheten Waisenkinder.
Doch Hand aufs Herz: Halten Sie beim Supermarkt-Rundgang auch unwillkürlich Ausschau nach unseren Light-Produkten, veganen Burgern, frisch gepressten Säften, laktosefreier Schokolade? Oder nach dem idealen Bindemittel für Ihre Smoothies? Kennen Sie am Ende sogar die Profi-Textur aus der weißen, inneren Schicht der Zitrone, welche unser Gourmet-Bistro empfiehlt: jene begehrte Finesse, welche Ihren grünen Shakes eine herrliche Cremigkeit verleiht und auch Fruchtsaucen, Füllungen und Farcen kalorienfrei aufwertet? Dann sind auch Sie in der Seele ein Selbst-Optimierer – und haben Ihr Eldorado gefunden.

Aus dem Messerkoffer der Profis – Tittels Tipp für ambitionierte Hobby-Köche

Aus dem Messerkoffer der Profis – Tittels Tipp für ambitionierte Hobby-Köche

Spezialitäten für die neuen Spezialisten

6000 Quadratmeter kulinarischer Augenweiden misst allein unser Düsseldorfer Mega-Store und ist mit rund 55.000 Artikeln im Angebot der mit Abstand der größte und am besten sortierte Vollsortimenter Deutschlands. Allein die Auswahl an heimischen und exotischen Obst- und Gemüsesorten würde leicht zur Qual, wären nicht stets freundliche und fachkundige Mitarbeiter beratend zur Stelle.
In verschwenderische Fülle präsentieren sich Spargel, Erbsen-Schoten, Babykarotten, Rucola, Spinat oder Portulak, ein Angebot, so differenziert, das es täglich neue Zellteilungen vollzieht. Selbst frische Eier und ganz gewöhnliche Kartoffeln offenbaren sich in variantenreicher Vielfalt und lassen Hobby- und Profikochherzen höher schlagen. Dass Qualität nicht dort aufhört, wo Quantität beginnt, dafür stehen sorgfältige Lebensmittelkontrollen, zertifizierte Lieferanten und eine weiträumige Erweiterung unseres Angebotes auf biologisch erzeugte, vegetarische und vegane Produkte.
Ein Lächeln im Vorbeigehen, ein Zwischenstopp bei einer endlosen Tasse Kaffee oder ein spontanes Romantic-Dinner in einem unserer Gourmet Bistros: Allein der tägliche Einkauf hält unzählige Glücksmomente bereit, die es auszuschöpfen gilt.
Frei nach dem alten Geheimrat: „Wer ewig strebend sich bemüht, der sollte sich auch belohnen.“ – und ab und zu getrost den Götz von Berlichingen zitieren: Wenn wir tun, was wir lieben und lieben, was wir tun, kann uns ohnehin nichts mehr stoppen! 🙂

Einkauf und Erlebnis – der größte Supermarkt Deutschlands

Einkauf und Erlebnis – der größte Supermarkt Deutschlands

Von: Dr. Claudia Roosen

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