Aufgetischt – Food-Lüge oder Ernährungs-Erkenntnis?

Ernährungslügen

Machen manche Lebensmittel krank? Der Streit um Eier, Salz, Milch, Speck & Co.

Was haben unsere tägliche Ernährung, Pinocchio und der US-Wahlkampf vom Vorjahr gemeinsam? Alle drei sind von Mythen umrankt, ihre Helden nehmen den Mund gern voll, verbreiten vollmundige Versprechen oder stehen sogar im Verdacht, dicke Lügen aufzutischen:
Die Steinzeit ist das ultimative Food-Vorbild, Clean Eating macht happy, spätes Essen dick, Kaviar müde Männer an, Traubenzucker bringt Energie, Schweine können fliegen, Clinton ist ein Alien, Trump der Antichrist, beide gar Reptiloide oder zumindest Mitglieder der Geheim-Gesellschaft „Illuminati“, Hillary hat eine Doppelgängerin – und Coca-Cola ist eigentlich hellblau! Scherz beiseite: Machen uns Lebensmittel tatsächlich krank oder wir uns in erster Linie verrückt? Was uns guttut, was uns krankmacht und wie wir Spreu und Weizen trennen. 11 Mampf-Mythen im Fakten-Check!

Zucker ist ein Killer,

Der süße Stoff wird derzeit zum Bösewicht schlechthin stilisiert. Auf der anderen Seite stehen Wissenschaftler, welche die Beweislage, Zucker würde Herzinfarkt oder Diabetes auslösen, als schwach einstufen. Bestens belegt ist jedoch der Zusammenhang zwischen Zuckerverzehr und Karies: Der Konsum großer Mengen ist allein deshalb schon ungesund. Die WHO empfiehlt, weniger als 5 % unserer täglichen Energieaufnahme durch Zucker zu decken. Für Erwachsene wären das 25 Gramm – sechs Teelöffel – statt der durchschnittlich konsumierten 85 Gramm. Die Richtlinie gilt übrigens ebenso für Fruktose, die häufig als unbedenkliche Alternative vermarktet wird. Fazit: In der Dosis liegt das Gift!

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… Kopfsalat das Opium des Volkes,

Von Ecstasy, Kokain oder Haschisch haben Sie stets die Finger gelassen? Wie man´s nimmt: Blattsalate enthalten nämlich ebenfalls den opiatähnlichen Wirkstoff Lactucarium, der uns so richtig „high“ macht und verantwortlich ist für die pikant bittere Unternote. In normalen Mengen genossen wirkt sich die Substanz jedoch positiv auf unser vegetatives Nervensystem aus, indem sie Erregungszustände sowie Stress mindert. Das macht den grünen Chlorophyll-Bomber zu einem wirksamen Schlummertrunk.

… Cholesterin (nicht) das Gelbe vom Ei,

Denn Eier beeinflussen unseren Cholesterinspiegel kaum: Dafür runden sie unser Frühstück ab, machen wach, konzentriert und dank der Aminosäure Tryptophan, die im Körper zu Serotonin umgewandelt wird, sogar glücklich. Der enthaltene Stoffwechsel-Turbo Orexin und die ideale Eiweiß-Bilanz (100 % Hühner-Protein = 100 % Körperprotein) verleihen uns Power für den Tag. Bis zu 3 Eier am Tag sind okay: Wird dem Körper ein Zuviel zugeführt, so der neueste Wissensstand, drosselt er seine eigene Cholesterin-Produktion und stellt damit den Status quo sofort wieder her. Endlich mal wieder gute Nachrichten!

… Salz unser weißer Tod,

Mittlerweile „kristallisiert“ sich buchstäblich heraus: Kochsalz wurde zu sehr verteufelt. In Maßen genossen – die WHO zieht die Grenze bei 6 Gramm pro Tag – ist das würzige Kristall unbedenklich. Und es kommt noch besser: Experten deckten unlängst auf, dass eine extrem salzarme Ernährung die Sterblichkeit im Einzelfall sogar erhöhen kann: Zu wenig Salz führe dazu, dass Niere und Nebennieren vermehrt Hormone ausschütteten, die Herz und Blutgefäße schädigen können. Ist Verzicht also unsinnig? Nicht für Salz-Sensitive, die von einer kochsalzarmen Diät profitieren: Bei ihnen kann auch ein sonst harmloser Konsum bereits den Blutdruck erhöhen. Die Wahrheit liegt also wie so oft irgendwo in der Mitte.

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… Honig gesünder als Zucker,

Bei den alten Griechen galt Honig als goldener Saft, dem die Götter ihre Unsterblichkeit verdanken. Heute wird er wegen seines guten Geschmacks geschätzt. Doch, Vorsicht: Anders als raffinierter Haushaltszucker enthält er zwar Spuren von Vitaminen und Mineralien, gilt aber wegen des hohen Zuckergehalts auch als Süßigkeit. Honig hat jedoch durchaus auch einen gesundheitlichen Nutzen: So hilft er bei Erkältungen, unterstützt die Wundheilung und lässt Entzündungen schneller abklingen. Ohne Zusätze und naturbelassen soll er in den Handel, so schreibt es die Honigverordnung vor. Leider erfüllt nicht jeder Honig diese Anforderung. Deshalb überzeugt unsere EDEKA-Eigenmarke nicht nur durch ihre aromatische Süße und cremige Konsistenz, sondern hebt sich auch durch schonende Verarbeitung hervor. Viele unserer Honigsorten stammen sogar aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft. Verfeinern Sie doch einfach mal Ihren Tee damit!

… Marktfrisch besser als Tiefgekühlt,

Die Krux: Frisches Gemüse hat vor dem Einkauf oftmals schon lange Transportwege zurückgelegt: vom Feld zum Großmarkt, vom Großmarkt zum Wochen- oder Supermarkt. Das kann zu ähnlich hohen Vitaminverlusten führen. Denn Gemüse reagiert empfindlich auf Licht, Luft, Wärme und viele andere Einflüsse. Einige Sorten verlieren deshalb kurz nach der Ernte einen Teil ihrer Vitamine, besonders das sehr Temperatur- und Licht empfindliche Vitamin C. So hat Spinat bereits drei Tage nach der Ernte die Hälfte seines ursprünglichen Vitamin-C-Gehalts verloren. Wird er in der Vorratskammer gelagert, verringert sich der Gehalt sogar um 80 Prozent. Auch Blumenkohl verliert bereits nach einem Tag in der Vorratskammer über 10 Prozent seines Vitamin-C-Gehalts. In diesem Fall ist Tiefkühlgemüse eine empfehlenswerte Alternative, zudem sehr praktisch, da es nicht erst gewaschen oder geputzt werden muss. Meiden Sie jedoch beim Einkauf Truhen mit Wühlbergen, da hier die Kühlung nicht mehr gleichmäßig erfolgen kann! Auch über den Truhenrand hinaus gestapelte Ware gewährleistet keinen ausreichenden Kälteschutz mehr.

Ernährungslügen

… „Kross“ macht „Krebs“,

Leider lecker – und wahr: Gebratener Speck, die klassische Zutat eines englischen Frühstücks, erhöht laut WHO im Übermaß genossen das Krebsrisiko ebenso wie der allzu häufige Verzehr frittierter Kartoffelprodukte. Denn beim Braten oder Backen entsteht ungesundes Acrylamid, wie auch neue Studien wieder bestätigen. Die Europäische Behörde für Lebensmittel-Sicherheit EFSA warnt deshalb vor unbedachtem Konsum. Speck-Streifen sollte man aus diesem Grunde lieber im Backofen bei Temperaturen unter 180 Grad knusperkross werden lassen, statt sie bei hohen Temperaturen in der Pfanne zu brutzeln. Auch bei Pommes Frites sollte penibel auf die vom Hersteller empfohlene Back-Temperatur und Zeit geachtet werden. Gut zu wissen: Je mehr Pommes frites auf dem Backblech gebräunt werden, desto geringer ist die Acrylamid-Belastung. Die Mindestmenge pro Blech sollte deshalb bei 400 Gramm liegen.

… Fisch macht schlau,

Fakt ist: Lachs enthält sehr viele Omega-3-Fettsäuren. Das Gehirn benötigt sie, und im Blut von Alzheimer-Patienten besteht daran auffallend oft ein Mangel. Trotzdem ließ sich bisher keine Verbesserung der Gehirnleistung nachweisen, weder bei Gesunden noch bei Demenz-Kranken. Andererseits ist kaum etwas ist so belebend für den Geist wie Fisch oder Meeresfrüchte. So verwundert es nicht, dass zwei Drittel unseres Gehirns aus dieser Fettsäure bestehen. Sie sind insofern essentiell für unsere Denkfunktionen, als sie der Körper nicht selbst produzieren kann. Schon eine Fischmahlzeit füllt unsere Energiereserven neu und lädt unseren geistigen Akku auf. Gewogen und zu leicht gefunden? Wohl eher Brainpower auf den zweiten Blick!

Fisch macht schlau

… Milch groß & stark,

Trotz aller Kontroversen gilt nach wie vor: Milch und Milchprodukte (außer Quark) liefern Calcium für unser Skelett. Vorausgesetzt, dass unser Körper hinlänglich Vitamin D beisteuern kann – etwa aus Hering, Lachs oder Avocados – , um das Anti-Osteoporose-Mineral auch wirklich einzubauen. Ist Milch doch besser als ihr Ruf? Dafür spricht nach aktuellem Forschungsstand auch der in ihr enthaltene Wachstumsfaktor IGF, welcher auch in der Muttermilch vorkommt, wenngleich geringer dosiert. Epidemiologische Untersuchungen ergaben ferner, dass Menschen, die in der Kindheit und Jugend Milch konsumieren, weniger anfällig für Infektionen sind und im Durchschnitt größer werden. Milchzucker verträgt jedoch nicht jeder. Einigen Menschen fehlt dafür das Enzym Laktase oder dieses wird von ihrem Körper nicht hinlänglich produziert. Deshalb bietet unsere Bio-Abteilung auch ein umfassendes Sortiment an „laktosefreien“ Lebensmitteln an. Ihre Kennzeichnung hilft den Betroffenen, Produkte zu identifizieren, die sie ohne Probleme verzehren können.

Kaugummi killt Karies …

Fakt ist: Kaugummikauen stimuliert den Speichelfluss. Dieser wiederum hat die Eigenschaft, als Säurepuffer und damit als Kariesschutz zu fungieren. Am wirksamsten sind übrigens Kaugummis, die den Zuckeraustausch-Stoff Xylit, auch Birkenzucker genannt, enthalten. Das zahnfreundliche Substitut hemmt die Vermehrung von Kariesbakterien und verhindert die Bildung von Zahnbelag, welcher die Vorbedingung für Karies ist.

… und Smoothies sind der perfekte Obst-Ersatz!

Das hängt vor allem davon ab, ob der trendige Shake auch Fruchtmark, Direktsaft und Fruchtstücke enthält und bei der Herstellung erhitzt wurde, wobei oft wertvolle Vitamine verlorengehen. Zudem verwenden viele Hersteller nur geschälte Früchte, so dass die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe aus der der Schale fehlen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bemängelt darüber hinaus, dass der Nährstoffgehalt oft nicht aussagekräftig dokumentiert werde. Außerdem seien viele Produkte durch den Zuckerzusatz die reinsten Kalorien-Bomben. Ein Grund mehr für uns, bei unseren Eigenmarken Wert auf frische Früchte zu legen und weitestgehend auf den Zusatz von Farb- und Aromastoffen zu verzichten. Nicht jeder schafft es, täglich die empfohlenen 5 Portionen Obst oder Gemüse zu essen, und das noch möglichst roh, um alle Vitalstoffe zu erhalten. Für diejenigen, denen das trotz guter Vorsätze nicht immer gelingt, ist die Zubereitung eines Smoothies wohlmöglich genau das Richtige. Denn auch darin sind sich die Experten einig: Besser Smoothies als gar kein Obst und Gemüse!

Ein Duft, ein Anblick oder positive Emotionen beim Vorbeifahren an einem Restaurant: Rund 224-mal am Tag denken wir an Essen oder Dinge, die damit in Verbindung steht, haben Verhaltensforscher herausgefunden. Plötzlich wird der Impuls, aufzuspringen und sich ein Stück Schokolade oder einen leckeren Imbiss zu gönnen fast übermächtig. Selbstkasteiung und Vernunftpeitsche können da zumeist wenig ausrichten. Findet jedenfalls die Mehrheit der Bevölkerung: Kaum jemand hätte gern eine Wunderpille, die ihm die notwendigen Nährstoffe ohne Kau- und Gaumen-Genuss zuführt. Schließlich sind wir keine Autos, denen man nur per Zapfpistole den richtigen Kraftstoff einfüllt. Der Mensch tankt nun mal lieber sinnenfroh auf, Low Carb, Clean Eating, Paläo und anderer amerikanischer Heilslehren zum Trotz. Als Reaktion auf die Hiobsbotschaften der WHO überraschte Grünen-Politiker Winfried Kretschmann unlängst mit dem ruppigen Kalauer: „Wenn man einen ganzen Sack Kartoffeln isst, ist man auch tot.“ Noch Fragen? 😉

Fotos:
Collage – Udo Schucker
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Quellen & weiterführende Links:

Stern-Titelgeschichte, Ausgabe 41, 06.10.2016: „Das Märchen vom gesunden Essen – was bringen Superfood, Low Carb, Paläo & andere Trends“, ab S. 33

www.edeka.de/rezepte-ernaehrung/ernaehrungsmagazin/das-woechentliche-ernaehrungsspecial/ernaehrungsspecial_ernaehrungsmythen.jsp
eatsmarter.de/gesund-leben/gesundheit/ernaehrungsmythen-teil-1
www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/die-10-groessten-ernaehrungs-mythen-im-check-a-855548.html
www.wiwo.de/technologie/forschung/lebensmittel-die-groessten-ernaehrungsmythen/7398614.html
www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/titel-50-mythen-ueber-unser-essen-die-einfach-nicht-stimmen_id_4018331.html
www.fitforfun.de/abnehmen/diaet-irrtuemer/ernaehrungsmythen-ist-das-gesund-oder-nicht-169959.html
www.rp-online.de/leben/gesundheit/ernaehrung/ernaehrungsmythen-aufgedeckt-bid-1.568703
www.zeit.de/2010/21/Ernaehrungsmythen-Wissen
www.endlichschlank.net/fitness-ernaehrung-mythen/
www.multipower.com/de/deine-ernaehrung/ernaehrungstipps/ernaehrungs-mythen
www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/das-maerchen-vom-ungesunden-essen-9-ernaehrungsluegen-die-sie-ueberraschen-werden_id_5482155.html

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