Die kuriosen Köstlichkeiten der Kirstin Knufmann

Kirstin Knufmann

Goji-Beeren, Chlorella & Meeresspaghetti lassen Sie kalt? Dann verpassen Sie den Hype des Jahres!

Der Coolness-Faktor: hoch. Die Temperatur: tief, bei maximal 45 Grad. Auch die Zutaten in Kirstins kultigem Kochbuch könnten kaum ausgefallener sein. Übertrend Superfood: Was ist dran, was ist drin – und wo gibt´s das Drumherum? Die PureRaw-Founderin im Interview!

Zurheide: Neulich nach Sendeschluss knallten bei Ihnen die Korken. Ihre Freundinnen Renate, Anneliese & Ute, mit denen Sie zeitweise zusammenarbeiten, wagten sich auf VOX in die „Höhle der Löwen“ und überzeugten einen der Investoren. Mögen diese denn Algen? Generell fressen sie doch lieber Gründer zum Frühstück … 😉

Knufmann: Zunächst knirschte es tatsächlich im Gebälk. Auch, weil der Rohstoff schwer patentierbar ist. Doch dann sah Ralf Dümmel, was wir sahen und stieg prompt mit 375.000 Euro ein – zu einem Firmenanteil von 23 %. Er prophezeit „Helga“ sprudelnde Umsätze.

Zurheide: Die Algenbrause wird aktuell als Alternative zu ungesunden Limos gehandelt. Sind drei Euro pro Dose für den Normalverbraucher nicht preislich etwas happig?

Knufmann: Bedenkt man, dass Algen sonst wie ein Schwamm Schwermetalle aufsaugen, rechtfertigt allein unser aufwändiges Verfahren des sauberen Anbaus sowie die innovative Idee von „Helga“ den höheren Ladenpreis. Kultiviert wird Chlorella bei Sonnenlicht und Quellwasser in einem geschlossenen Glasröhrensystem, dem sogenannten Photobioreaktor, mit zielgerichteter Nährstoffzufuhr. Verunreinigungen durch Fremdeinträge und Umwelteinflüsse werden so ausgeschlossen.

Zurheide: Algen sind auch bei uns in vielen Varianten erhältlich: als Zutat veganer Brotaustriche und sogar als Grillgewürz mit Senf und Estragon. Werden sie den deutschen Markt auch weiträumig erobern oder sind sie immer noch eher ein Nischenprodukt?

Kirstin Knufmann

„Be pure, be you!“ – Kirstin Knufmann & die neue Lust auf unverfälschten Genuss

Knufmann: Kulinarisch sind sie die reinsten Verwandlungskünstler und passen perfekt zu veganer oder vegetarischer Ernährung. Es gibt Mikro- & Makro-Algen aller Couleur in Rot, Braun oder Grün mit den unterschiedlichsten Charakteristika – die speckartige Dulse, die geschmacksneutrale Kalzium-Alge, die würzige Nori oder den Klassiker Spirulina, welcher keine Pflanze, sondern ein Bakterium ist. „Da sind sogar ein Mensch und ein Gänseblümchen verwandter als beispielsweise Chlorella und Spirulina!“, um den Diplom-Biologen Jörg Ullmann zu zitieren.

Zurheide: Angefangen bei BOBEI, einem Butter- oder Ei-Ersatz aus Chlorella-Mikroalgen-Mehl, welches texturverändernde Eigenschaften besitzt, umfasst Ihre Produktpalette so ziemlich alles bis hin zur pazifischen Seewasser-Alge Kelp, welche ebenfalls nützliche Komponenten aufweist …

Knufmann: …natürliches Glutamat, welches den Geschmack der anderen Zutaten ganz natürlich verstärkt (Umami).

Zurheide: Sträuben sich da nicht trotzdem die Geschmacksnerven des Normalköstlers? Die ersten Algenprodukte aus dem Reformhaus erinnerten ja doch ein wenig an Fischfutter …

Knufmann: Ähnlich wie Fisch darf Algen-Food eben nicht nach Fisch schmecken oder riechen, wohl aber ein wenig nach Meer.

Zurheide: Die Branchen-Oscars scheinen Ihnen nur so zuzufliegen, so haben Sie unlängst sogar den Vegan Innovation Award ergattert – und sich als Algen-Experte etabliert. Sie führen demnächst das Innovationsforum rund um das Thema „Alge als Lebensmittel“ …

Knufmann: Das Innovationsforum wird erstmals in Sachsen-Anhalt* (*auf Bundes- und internationaler Ebene) veranstaltet, worauf wir und die Wirtschaft von Bund und Land sehr stolz sind. Sie würden staunen, was für eine delikate Brioche sich mit BOBEI zaubern lässt!

Zurheide: Reishi-Pilze, Pudding aus Chia-Samen und andere exotische Zutaten erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Auch Zurheide vertreibt Quinoa, Kokosöl, Braunhirsemehl, Matcha, Goji-Beeren und viele andere vegane Spezialitäten. Parallel zeichnet sich ein Verbrauchertrend zu radikaler Regionalität ab. Anlass genug für uns Edekaner in einem neuen Online-Video für internationale Vielfalt einzutreten. Hat Ernährung auch eine gesellschaftspolitische Dimension?

Guten Morgen Smuesli

Schwappt die Welle über? Algen-Aficionados inspirieren Gemischtköstler

Knufmann: Sicherlich ist Regionalität ein gesellschaftspolitischer Punkt! Jedoch sollte dies differenziert betrachtet werden. Der Kakao kommt nun mal aus Peru und wäre hier nicht ohne enormen Energieaufwand anzubauen. Eine radikale Regionalität wäre sicherlich erstrebenswert, würde jedoch unsere Genussvielfalt enorm eingrenzen. Regionalität ist sehr wichtig und auch angebracht bei den Produkten, wo es möglich ist. Unabhängig von der Geografie geht es mir außerdem um Qualitätssicherung. Dieser Anspruch umfasst nicht nur den transparenten Herstellungsprozess, sondern auch faire Arbeitsbedingungen. Verantwortung übernehmen bedeutet für mich, nur das zu vertreiben, was ich auch selbst konsumiere; und Freunden oder der Familie guten Gewissens empfehlen kann. Viele Partner wählen wir direkt vor Ort aus.

Zurheide: Sie sind aus Nordrhein-Westfalen, studierten Fotografie in Barcelona und fliegen zu Shootings nach München, New York & Los Angeles. Wie landet man dann in Klötze an der Altmark?

Knufmann: Es galt schnell Platz zu schaffen für die Forschung, Entwicklung und Produktion. Weil sich unsere anfangs kleine Startup-Firma so rasch ausdehnte, benötigten wir Lagerfläche, Geräte, einen Stapler und vieles mehr. Wir wollten ja nicht nur unseren Online-Versand vorantreiben, sondern auch eine eigenständige Exportkette aufbauen und kontinuierlich neue Vertriebskanäle erschließen. Mittlerweile sind wir federführend auf dem Algensektor. Bei uns wird jeder Inhaltsstoff deklariert und auch freiwillige Angaben bis hin zum Jodwert sichtbar gemacht.

Zurheide: Ihre PureRaw-Bewegung hat einen kosmopolitischen Touch, lässt sich so ein Hype denn in das beschauliche Sachsen-Anhalt transportieren, wo Sie jetzt Ihren Geschäftssitz haben? Die sächsische Küche steht ja eher für etwas deftigere Hausmannskost wie Sauerbraten mit Knödeln …

Knufmann: Sie würden staunen: Neulich machten unsere rohen, zuckerfreien Chlorella-Presslinge sogar beim Kindertanzen Furore. Das motiviert, zumal Kids ja sonst eher kleine Süßmäuler sind. Aufgeschlossene Küchenkreative gibt es immer und dies wird in diesem Fall mit neuen Genusserlebnissen belohnt.

Zurheide: Muss man eigentlich immer zu Superfood greifen? Oder gehen auch mal Leinsamen statt Chia-Samen, Rotkohl statt Açai und schwarze Johannisbeeren statt Goji-Beeren? Gut geeignet den täglichen Speiseplan aufzupeppen sind vegane Delikatessen ja ohne Frage und unterstützen auch eine ausgewogene Ernährung. Aber bieten sie wirklich einen magischen Mehrwert gegenüber Äpfel, Möhren & Co.?

Knufmann: Die Böden geben einfach nicht mehr so viel her wie noch vor sechzig Jahren. In Europa gibt es aktuell zwei Mängel in klinischer Dimension: Jod und Vitamin B12, welche unabhängig von der Ernährungsform auftreten. Hier ist Alge als Powerfood ein echter Goodie, welcher je nach Algenart beide Nährstoffe enthalten kann und kann zudem sehr ressourcenschonend angebaut werden.

Zurheide: Apropos Geschmacksknospen: Blüht man von unbehandeltem Essen wirklich ganzheitlich auf und verändert Rohkost die Art, wie wir Lebensmittel schmecken?

Knufmann: Hochwertige Lebensmittel in Rohkost-Qualität können unsere Sinne schärfen, welche ja sonst oft durch die künstlichen Aromen und Zusatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln etwas durcheinandergeraten. Es muss ja nicht alles zu 100 % roh sein. Positive Verstärkung hilft übrigens bei der Ernährungsumstellung, dafür stehen meine Workshops und Seminare.

Zurheide: Auch eigene Rezepte haben Sie entwickelt, darunter sogar rohes Konfekt auf der Basis von Kakaobutter, Vanille und schwarzem Sesam. Sie stehen alle in Ihrem Buch. In Ihrem bestens sortierten Lager vertreiben Sie 240 Produkte aus aller Welt. Stellen Sie sich vor, Sie dürfen nur vier Lebensmittel auf einen Survival-Trip mitnehmen, welche würden das sein?

Knufmann: Herausforderung angenommen! Spontan? Reishi, Dulse, Chlorella und BOBEI, denn daraus lassen sich sehr nahrhafte und vollwertige Speisen zaubern!

Zurheide: Das sind fast alles Meerespflanzen! Durchschaut – Sie sind in Wahrheit eine Wassernixe!😉

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